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Edelstein-Leitfaden

Ein kleiner Leitfaden zu den Steinen, die wir am besten kennen: was sie kostbar macht, woher die schönsten stammen und worauf man vor dem Kauf achten sollte.

Was einen Stein kostbar macht

Drei Kriterien ordnen einen Edelstein ein. Drei weitere Elemente bestimmen dann seinen Wert. Das lehren wir in unseren Seminaren und wenden es bei jeder Schätzung an.

Die drei Kriterien

  • Schönheit: eine Farbe weder zu hell noch zu dunkel, gute Transparenz und die Brillanz eines gut proportionierten Schliffs.
  • Seltenheit: Je weniger vergleichbare Steine es auf dem Markt gibt, desto höher der Wert.
  • Beständigkeit: Härte, Zähigkeit und Widerstandsfähigkeit gegen Hitze und Chemikalien, damit der Stein über Generationen getragen werden kann.

Was den Wert bestimmt

  • Herkunft: Manche Regionen liefern eine so typische Farbe, dass die Herkunft allein einen Aufpreis rechtfertigt, etwa Mogok für Rubine oder Kaschmir für Saphire.
  • Gewicht: in Karat angegeben (1 Karat = 0,20 g). Ab bestimmten Grössen werden feine Steine exponentiell seltener und damit exponentiell wertvoller.
  • Behandlungen: Die meisten Steine auf dem Markt sind behandelt; schätzungsweise weniger als 5 % der Rubine und Saphire wurden nie erhitzt. Ein unbehandelter Stein gleichen Aussehens ist deutlich mehr wert.

Die «Big Four», Stein für Stein

Rubine, Saphire, Smaragde und Diamanten sind seit Jahrhunderten die Referenz unter den Edelsteinen.

Burma-Rubin von 7,27 Karat, Kissenschliff
Burma-Rubin von 7,27 ct, ohne Hinweis auf Erhitzung.

Rubin

Die rote Varietät des Korunds, gefärbt durch Chrom. Chrom lässt Rubine unter UV-Licht auch fluoreszieren, weshalb die schönsten von innen zu leuchten scheinen. Die berühmtesten stammen aus dem Mogok-Tal in Myanmar; Mosambik ist in den letzten fünfzehn Jahren zur wichtigsten Quelle feiner Rubine geworden. Schätzungsweise weniger als 5 % der Rubine auf dem Markt wurden nie erhitzt.

Mineral
Korund
Härte
9 auf der Mohs-Skala
Schönste Herkunft
Myanmar (Mogok), Mosambik, Madagaskar
Übliche Behandlungen
Erhitzung; Bleiglasfüllung bei geringen Qualitäten
Worauf zu achten ist
Ein reines, intensives Rot ohne Braun oder zu viel Violett, lebendig bei Tageslicht
Burma-Saphir von 6,00 Karat, Ovalschliff
Burma-Saphir von 6,00 ct.

Saphir

Jeder Korund, der nicht rot ist, wird Saphir genannt. Das Blau stammt von Eisen und Titan. Kaschmir-Saphire, vor allem in den 1880er-Jahren abgebaut, sind für ihr sanftes, samtiges Blau berühmt; Myanmar liefert tiefe Blautöne, Sri Lanka helle und leuchtende, und Madagaskar bringt seit den 1990er-Jahren bemerkenswerte Steine hervor. Wie bei Rubinen wurden schätzungsweise weniger als 5 % der Saphire auf dem Markt nie erhitzt. Saphire gibt es auch in Rosa, Gelb, Orange, Violett und Grün.

Mineral
Korund
Härte
9 auf der Mohs-Skala
Schönste Herkunft
Kaschmir, Myanmar, Sri Lanka, Madagaskar
Übliche Behandlungen
Erhitzung; Beryllium-Diffusion
Worauf zu achten ist
Ein gesättigtes Blau, das in jedem Licht blau bleibt, gleichmässig verteilt, ohne graue oder dunkle Zonen
Smaragd im Smaragdschliff

Smaragd

Die grüne Varietät des Berylls, gefärbt durch Chrom und Vanadium. Smaragde enthalten fast immer Einschlüsse, ihren «Jardin» (Garten), und ein reiner Smaragd ist aussergewöhnlich selten. Völlig unbehandelte Smaragde sind ebenfalls äusserst selten: Ölen wird vom Handel akzeptiert, und die Füllung mit Harz ist die häufigste Behandlung. Kolumbien bleibt die Referenz, mit Minen wie Muzo und Chivor; Sambia liefert Smaragde mit einem etwas bläulicheren, kühleren Grün.

Mineral
Beryll
Härte
7,5 bis 8 auf der Mohs-Skala, aber wegen der Einschlüsse empfindlicher
Schönste Herkunft
Kolumbien, Sambia, Afghanistan (Pandschir)
Übliche Behandlungen
Füllung von Rissen mit Öl oder Harz zur Verbesserung der Reinheit
Worauf zu achten ist
Ein lebhaftes, reines Grün, gute Transparenz und möglichst wenig Füllung
Diamant im runden Brillantschliff

Diamant

Reiner Kohlenstoff, tief in der Erde kristallisiert, und das härteste natürliche Material. Weisse Diamanten werden nach den 4C bewertet: Karat, Farbe (von D, farblos, bis Z), Reinheit und Schliff. Natürliche Farbdiamanten, etwa gelb, rosa oder blau, bilden einen eigenen, viel selteneren Markt.

Mineral
Kohlenstoff
Härte
10 auf der Mohs-Skala
Wichtigste Quellen
Botswana, Russland, Kanada, Südafrika
Übliche Behandlungen
Laserbohrung, Rissfüllung, Farbbehandlung unter hohem Druck und hoher Temperatur (HPHT)
Worauf zu achten ist
Ein Laborzertifikat, ein hervorragender Schliff und die Bestätigung, dass der Diamant natürlich ist

Herkunft und Preise

Zwei Steine gleicher Grösse, Farbe und Qualität können sich im Preis um ein Mehrfaches unterscheiden, je nachdem, wo sie abgebaut wurden. Bei Rubinen, Saphiren und Smaragden ist die Herkunft eine der ersten Fragen eines Käufers. Bei weissen Diamanten ändert sie den Preis kaum.

SteinGefragteste HerkunftWeitere wichtige QuellenWie sehr die Herkunft zählt
RubinMyanmar (Mogok)Mosambik, Madagaskar, Thailand, Sri LankaSehr stark. Ein feiner unerhitzter burmesischer Rubin gehört zu den teuersten Farbedelsteinen. Rubine aus Mosambik haben den Abstand seit 2009 verringert, werden bei gleicher Qualität aber meist günstiger verkauft.
SaphirKaschmir, dann MyanmarSri Lanka, MadagaskarSehr stark. Laut unserer Analyse erzielt ein Kaschmir-Saphir etwa das Zehnfache eines vergleichbaren Steins aus Sri Lanka, ein burmesischer etwa 60 % mehr.
SmaragdKolumbien (Muzo, Chivor)Sambia, Afghanistan (Pandschir), BrasilienStark. Kolumbianische Smaragde erzielen einen Aufpreis gegenüber sambischen Steinen ähnlicher Qualität. Die Menge an Öl in den Rissen wiegt so viel wie die Herkunft.
DiamantKein Herkunftsaufschlag bei weissen DiamantenBotswana, Russland, Kanada, SüdafrikaSehr wenig. Weisse Diamanten werden nach den 4C bewertet, mit der Rapaport-Liste als Referenz des Handels; die Herkunft zählt für Rückverfolgbarkeit und Sanktionen. Ausnahmen sind historische Golconda-Diamanten aus Indien und rosa Diamanten aus der australischen Argyle-Mine, die 2020 geschlossen wurde.

Saphire: was die Herkunft mit dem Preis macht

Vergleichbare blaue Saphire, bei sonst gleichen Merkmalen, Sri Lanka = 100

Kaschmir≈ 1'000
Myanmar (Burma)≈ 160
Sri Lanka100
Madagaskar≈ 85
Unsere Regression über 1'721 facettierte Saphire, die 2010–2026 bei öffentlichen Auktionen verkauft wurden, unter Berücksichtigung von Gewicht, Farbe, Reinheit, Behandlung, Labor und Fassung.

Zwischen den vier Steinen

Pro Karat sind natürliche Farbdiamanten die teuersten Steine überhaupt, vor allem blaue und rosa. Danach folgen die feinsten burmesischen Rubine, die über 5 Karat seltener sind als Diamanten gleicher Grösse. Feine Smaragde und Saphire kommen danach. Diese öffentlichen Auktionsrekorde geben eine Vorstellung von der Spitze jedes Marktes.

Der Diamant Oppenheimer Blue von 14,62 Karat, in einem Ring gefasst
Oppenheimer Blue, Diamant in Fancy Vivid Blue von 14,62 ct, Südafrika. Verkauft bei Christie's in Genf 2016. Foto © Christie's
Der Sunrise-Rubin von 25,59 Karat in einem Ring von Cartier
Sunrise-Rubin, 25,59 ct, Myanmar, in einem Ring von Cartier. Verkauft bei Sotheby's Genf 2015. Foto © Sotheby's
Der Rubin Estrela de Fura von 55,22 Karat
Estrela de Fura, 55,22 ct, Mosambik, der grösste Rubin in Edelsteinqualität, der je versteigert wurde. Verkauft bei Sotheby's New York 2023. Foto © Sotheby's
Der Rockefeller-Smaragd von 18,04 Karat, in einem Ring gefasst
Rockefeller-Smaragd, 18,04 ct, Kolumbien. Verkauft bei Christie's in New York 2017. Foto © Christie's
Der Saphir Blue Belle of Asia von 392,52 Karat an einem Diamantcollier
Blue Belle of Asia, 392,52 ct, Sri Lanka. Verkauft bei Christie's in Genf 2014. Foto © Christie's
SteinGewicht und HerkunftAuktionPreisPro Karat
Diamant Oppenheimer Blue14,62 ct, Fancy Vivid Blue, SüdafrikaChristie's Genf, 2016USD 57,5 Millionen≈ USD 3,9 Millionen
Sunrise-Rubin25,59 ct, MyanmarSotheby's Genf, 2015USD 30,3 Millionen≈ USD 1,2 Millionen
Rubin Estrela de Fura55,22 ct, MosambikSotheby's New York, 2023USD 34,8 Millionen≈ USD 630'000
Rockefeller-Smaragd18,04 ct, KolumbienChristie's New York, 2017USD 5,5 Millionen≈ USD 305'000
Saphir Blue Belle of Asia392,52 ct, Sri LankaChristie's Genf, 2014USD 17,3 Millionen≈ USD 44'000

Preise gerundet, in US-Dollar zum Zeitpunkt des Verkaufs, inklusive Käuferaufgeld. Rekorde zeigen die absolute Spitze des Marktes; die meisten feinen Steine werden für einen Bruchteil dieser Beträge verkauft.

Imitationen, Synthesen und Behandlungen

Ein roter Stein, der wie ein Rubin aussieht, kann ein natürlicher Rubin, ein behandelter Rubin, ein im Labor gezüchteter Rubin oder rotes Glas sein. Für das Auge sehen sie sich oft sehr ähnlich, ihr Wert ist aber sehr unterschiedlich.

Wie ein Labor einen Stein einordnet

Ist es dasselbe Mineral wie der Edelstein, dem es gleicht?
Nein
Imitation
Ja
Wurde er von der Natur gebildet?
Nein
Synthese
Ja
Wurde er nach dem Abbau über Schliff und Politur hinaus verändert?
Ja
Behandelter Naturstein
Nein
Natürlicher, unbehandelter Stein

Was derselbe blaue Saphir wert ist

Richtwert für Steine mit ähnlichem Aussehen, natürlich unbehandelt = 100

Natürlich, unbehandelt100
Natürlich, erhitzt≈ 45
Stark behandelt (Diffusion, Glasfüllung)< 5
Synthese< 1
Imitation (Glas)≈ 0
Natürlich gegenüber erhitzt: unsere Regression über 1'721 bei öffentlichen Auktionen verkaufte Saphire, 2010–2026 (unerhitzt +125 %). Die übrigen Balken sind indikative Grössenordnungen.

Imitationen

Eine Imitation sieht dem Edelstein nur ähnlich. Sie kann aus Glas, Kunststoff oder einem günstigeren Naturstein bestehen: rotes Glas oder Granat für Rubin, blaues Glas für Saphir, Zirkonia für Diamant. Dubletten und Tripletten kleben eine dünne Scheibe echten Steins auf Glas oder ein geringeres Material, damit die Oberseite echt wirkt.

Wie man sie erkennt: Ihre physikalischen und optischen Eigenschaften sind anders. Ein geschulter Gemmologe mit Lupe, Refraktometer und Mikroskop kann sie in der Regel identifizieren.

Synthesen

Ein synthetischer Stein hat dieselbe Chemie, Kristallstruktur und dieselben optischen Eigenschaften wie der natürliche Edelstein, wurde aber in wenigen Wochen im Labor gezüchtet, statt sich über Jahrmillionen zu bilden. Die ersten synthetischen Rubine, die sogenannten «Genfer Rubine», erschienen um 1885; Auguste Verneuils Flammenschmelzverfahren folgte 1902. Heute werden Rubine, Saphire und Smaragde auch im Flussmittel- und Hydrothermalverfahren gezüchtet, Diamanten mittels CVD und HPHT.

Wie man sie erkennt: gebogene Wachstumslinien, Gasblasen oder Flussmittelreste bei älteren Verfahren; bei modernen Synthesen oft nur mit den Instrumenten eines gemmologischen Labors. Sie müssen als «synthetisch», «im Labor gezüchtet» oder «im Labor hergestellt» verkauft werden.

Behandlungen

Ein behandelter Stein ist natürlich, wurde aber nach dem Abbau verändert, um Farbe oder Reinheit zu verbessern. Manche Behandlungen sind traditionell und akzeptiert, etwa das Erhitzen von Rubinen und Saphiren oder das Ölen von Smaragden. Andere machen aus Material geringer Qualität etwas, das nur fein aussieht, etwa Bleiglasfüllung oder Beryllium-Diffusion.

Wie man sie erkennt: Veränderungen der Einschlüsse unter dem Mikroskop, Spektroskopie und chemische Analyse. Ein Laborzertifikat hält sie fest, zum Beispiel «keine Hinweise auf Erhitzung» oder eine «geringe» bis «deutliche» Reinheitsverbesserung.

Jede Behandlung muss beim Verkauf offengelegt werden. Wir verkaufen ausschliesslich natürliche, unbehandelte Edelsteine, von uns geprüft und von unabhängigen, international anerkannten Laboren zertifiziert.

Herkunft und Laborzertifikate

Bei Farbsteinen identifizieren führende Labore wie SSEF, Gübelin und GRS den Stein, erkennen Behandlungen und geben eine Einschätzung der geografischen Herkunft. Einige verwenden auch Handelsbezeichnungen wie «Taubenblut» für Rubine oder «Royal Blue» für Saphire, aber nur für Steine, die strenge Kriterien für Farbe und Sättigung erfüllen.

Ein Zertifikat bestätigt, was ein Stein ist. Einen Preis nennt es nie, und es sagt nicht, ob ein Stein schön ist: Dieses Urteil verlangt das geübte Auge von jemandem, der den Markt kennt.

So gehen wir bei Schätzungen vor

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