Edelstein-Leitfaden
Ein kleiner Leitfaden zu den Steinen, die wir am besten kennen: was sie kostbar macht, woher die schönsten stammen und worauf man vor dem Kauf achten sollte.
Was einen Stein kostbar macht
Drei Kriterien ordnen einen Edelstein ein. Drei weitere Elemente bestimmen dann seinen Wert. Das lehren wir in unseren Seminaren und wenden es bei jeder Schätzung an.
Die drei Kriterien
- Schönheit: eine Farbe weder zu hell noch zu dunkel, gute Transparenz und die Brillanz eines gut proportionierten Schliffs.
- Seltenheit: Je weniger vergleichbare Steine es auf dem Markt gibt, desto höher der Wert.
- Beständigkeit: Härte, Zähigkeit und Widerstandsfähigkeit gegen Hitze und Chemikalien, damit der Stein über Generationen getragen werden kann.
Was den Wert bestimmt
- Herkunft: Manche Regionen liefern eine so typische Farbe, dass die Herkunft allein einen Aufpreis rechtfertigt, etwa Mogok für Rubine oder Kaschmir für Saphire.
- Gewicht: in Karat angegeben (1 Karat = 0,20 g). Ab bestimmten Grössen werden feine Steine exponentiell seltener und damit exponentiell wertvoller.
- Behandlungen: Die meisten Steine auf dem Markt sind behandelt; schätzungsweise weniger als 5 % der Rubine und Saphire wurden nie erhitzt. Ein unbehandelter Stein gleichen Aussehens ist deutlich mehr wert.
Die «Big Four», Stein für Stein
Rubine, Saphire, Smaragde und Diamanten sind seit Jahrhunderten die Referenz unter den Edelsteinen.

Rubin
Die rote Varietät des Korunds, gefärbt durch Chrom. Chrom lässt Rubine unter UV-Licht auch fluoreszieren, weshalb die schönsten von innen zu leuchten scheinen. Die berühmtesten stammen aus dem Mogok-Tal in Myanmar; Mosambik ist in den letzten fünfzehn Jahren zur wichtigsten Quelle feiner Rubine geworden. Schätzungsweise weniger als 5 % der Rubine auf dem Markt wurden nie erhitzt.
- Mineral
- Korund
- Härte
- 9 auf der Mohs-Skala
- Schönste Herkunft
- Myanmar (Mogok), Mosambik, Madagaskar
- Übliche Behandlungen
- Erhitzung; Bleiglasfüllung bei geringen Qualitäten
- Worauf zu achten ist
- Ein reines, intensives Rot ohne Braun oder zu viel Violett, lebendig bei Tageslicht

Saphir
Jeder Korund, der nicht rot ist, wird Saphir genannt. Das Blau stammt von Eisen und Titan. Kaschmir-Saphire, vor allem in den 1880er-Jahren abgebaut, sind für ihr sanftes, samtiges Blau berühmt; Myanmar liefert tiefe Blautöne, Sri Lanka helle und leuchtende, und Madagaskar bringt seit den 1990er-Jahren bemerkenswerte Steine hervor. Wie bei Rubinen wurden schätzungsweise weniger als 5 % der Saphire auf dem Markt nie erhitzt. Saphire gibt es auch in Rosa, Gelb, Orange, Violett und Grün.
- Mineral
- Korund
- Härte
- 9 auf der Mohs-Skala
- Schönste Herkunft
- Kaschmir, Myanmar, Sri Lanka, Madagaskar
- Übliche Behandlungen
- Erhitzung; Beryllium-Diffusion
- Worauf zu achten ist
- Ein gesättigtes Blau, das in jedem Licht blau bleibt, gleichmässig verteilt, ohne graue oder dunkle Zonen

Smaragd
Die grüne Varietät des Berylls, gefärbt durch Chrom und Vanadium. Smaragde enthalten fast immer Einschlüsse, ihren «Jardin» (Garten), und ein reiner Smaragd ist aussergewöhnlich selten. Völlig unbehandelte Smaragde sind ebenfalls äusserst selten: Ölen wird vom Handel akzeptiert, und die Füllung mit Harz ist die häufigste Behandlung. Kolumbien bleibt die Referenz, mit Minen wie Muzo und Chivor; Sambia liefert Smaragde mit einem etwas bläulicheren, kühleren Grün.
- Mineral
- Beryll
- Härte
- 7,5 bis 8 auf der Mohs-Skala, aber wegen der Einschlüsse empfindlicher
- Schönste Herkunft
- Kolumbien, Sambia, Afghanistan (Pandschir)
- Übliche Behandlungen
- Füllung von Rissen mit Öl oder Harz zur Verbesserung der Reinheit
- Worauf zu achten ist
- Ein lebhaftes, reines Grün, gute Transparenz und möglichst wenig Füllung

Diamant
Reiner Kohlenstoff, tief in der Erde kristallisiert, und das härteste natürliche Material. Weisse Diamanten werden nach den 4C bewertet: Karat, Farbe (von D, farblos, bis Z), Reinheit und Schliff. Natürliche Farbdiamanten, etwa gelb, rosa oder blau, bilden einen eigenen, viel selteneren Markt.
- Mineral
- Kohlenstoff
- Härte
- 10 auf der Mohs-Skala
- Wichtigste Quellen
- Botswana, Russland, Kanada, Südafrika
- Übliche Behandlungen
- Laserbohrung, Rissfüllung, Farbbehandlung unter hohem Druck und hoher Temperatur (HPHT)
- Worauf zu achten ist
- Ein Laborzertifikat, ein hervorragender Schliff und die Bestätigung, dass der Diamant natürlich ist
Herkunft und Preise
Zwei Steine gleicher Grösse, Farbe und Qualität können sich im Preis um ein Mehrfaches unterscheiden, je nachdem, wo sie abgebaut wurden. Bei Rubinen, Saphiren und Smaragden ist die Herkunft eine der ersten Fragen eines Käufers. Bei weissen Diamanten ändert sie den Preis kaum.
| Stein | Gefragteste Herkunft | Weitere wichtige Quellen | Wie sehr die Herkunft zählt |
|---|---|---|---|
| Rubin | Myanmar (Mogok) | Mosambik, Madagaskar, Thailand, Sri Lanka | Sehr stark. Ein feiner unerhitzter burmesischer Rubin gehört zu den teuersten Farbedelsteinen. Rubine aus Mosambik haben den Abstand seit 2009 verringert, werden bei gleicher Qualität aber meist günstiger verkauft. |
| Saphir | Kaschmir, dann Myanmar | Sri Lanka, Madagaskar | Sehr stark. Laut unserer Analyse erzielt ein Kaschmir-Saphir etwa das Zehnfache eines vergleichbaren Steins aus Sri Lanka, ein burmesischer etwa 60 % mehr. |
| Smaragd | Kolumbien (Muzo, Chivor) | Sambia, Afghanistan (Pandschir), Brasilien | Stark. Kolumbianische Smaragde erzielen einen Aufpreis gegenüber sambischen Steinen ähnlicher Qualität. Die Menge an Öl in den Rissen wiegt so viel wie die Herkunft. |
| Diamant | Kein Herkunftsaufschlag bei weissen Diamanten | Botswana, Russland, Kanada, Südafrika | Sehr wenig. Weisse Diamanten werden nach den 4C bewertet, mit der Rapaport-Liste als Referenz des Handels; die Herkunft zählt für Rückverfolgbarkeit und Sanktionen. Ausnahmen sind historische Golconda-Diamanten aus Indien und rosa Diamanten aus der australischen Argyle-Mine, die 2020 geschlossen wurde. |
Saphire: was die Herkunft mit dem Preis macht
Vergleichbare blaue Saphire, bei sonst gleichen Merkmalen, Sri Lanka = 100
Zwischen den vier Steinen
Pro Karat sind natürliche Farbdiamanten die teuersten Steine überhaupt, vor allem blaue und rosa. Danach folgen die feinsten burmesischen Rubine, die über 5 Karat seltener sind als Diamanten gleicher Grösse. Feine Smaragde und Saphire kommen danach. Diese öffentlichen Auktionsrekorde geben eine Vorstellung von der Spitze jedes Marktes.





| Stein | Gewicht und Herkunft | Auktion | Preis | Pro Karat |
|---|---|---|---|---|
| Diamant Oppenheimer Blue | 14,62 ct, Fancy Vivid Blue, Südafrika | Christie's Genf, 2016 | USD 57,5 Millionen | ≈ USD 3,9 Millionen |
| Sunrise-Rubin | 25,59 ct, Myanmar | Sotheby's Genf, 2015 | USD 30,3 Millionen | ≈ USD 1,2 Millionen |
| Rubin Estrela de Fura | 55,22 ct, Mosambik | Sotheby's New York, 2023 | USD 34,8 Millionen | ≈ USD 630'000 |
| Rockefeller-Smaragd | 18,04 ct, Kolumbien | Christie's New York, 2017 | USD 5,5 Millionen | ≈ USD 305'000 |
| Saphir Blue Belle of Asia | 392,52 ct, Sri Lanka | Christie's Genf, 2014 | USD 17,3 Millionen | ≈ USD 44'000 |
Preise gerundet, in US-Dollar zum Zeitpunkt des Verkaufs, inklusive Käuferaufgeld. Rekorde zeigen die absolute Spitze des Marktes; die meisten feinen Steine werden für einen Bruchteil dieser Beträge verkauft.
Imitationen, Synthesen und Behandlungen
Ein roter Stein, der wie ein Rubin aussieht, kann ein natürlicher Rubin, ein behandelter Rubin, ein im Labor gezüchteter Rubin oder rotes Glas sein. Für das Auge sehen sie sich oft sehr ähnlich, ihr Wert ist aber sehr unterschiedlich.
Wie ein Labor einen Stein einordnet
Was derselbe blaue Saphir wert ist
Richtwert für Steine mit ähnlichem Aussehen, natürlich unbehandelt = 100
Imitationen
Eine Imitation sieht dem Edelstein nur ähnlich. Sie kann aus Glas, Kunststoff oder einem günstigeren Naturstein bestehen: rotes Glas oder Granat für Rubin, blaues Glas für Saphir, Zirkonia für Diamant. Dubletten und Tripletten kleben eine dünne Scheibe echten Steins auf Glas oder ein geringeres Material, damit die Oberseite echt wirkt.
Wie man sie erkennt: Ihre physikalischen und optischen Eigenschaften sind anders. Ein geschulter Gemmologe mit Lupe, Refraktometer und Mikroskop kann sie in der Regel identifizieren.
Synthesen
Ein synthetischer Stein hat dieselbe Chemie, Kristallstruktur und dieselben optischen Eigenschaften wie der natürliche Edelstein, wurde aber in wenigen Wochen im Labor gezüchtet, statt sich über Jahrmillionen zu bilden. Die ersten synthetischen Rubine, die sogenannten «Genfer Rubine», erschienen um 1885; Auguste Verneuils Flammenschmelzverfahren folgte 1902. Heute werden Rubine, Saphire und Smaragde auch im Flussmittel- und Hydrothermalverfahren gezüchtet, Diamanten mittels CVD und HPHT.
Wie man sie erkennt: gebogene Wachstumslinien, Gasblasen oder Flussmittelreste bei älteren Verfahren; bei modernen Synthesen oft nur mit den Instrumenten eines gemmologischen Labors. Sie müssen als «synthetisch», «im Labor gezüchtet» oder «im Labor hergestellt» verkauft werden.
Behandlungen
Ein behandelter Stein ist natürlich, wurde aber nach dem Abbau verändert, um Farbe oder Reinheit zu verbessern. Manche Behandlungen sind traditionell und akzeptiert, etwa das Erhitzen von Rubinen und Saphiren oder das Ölen von Smaragden. Andere machen aus Material geringer Qualität etwas, das nur fein aussieht, etwa Bleiglasfüllung oder Beryllium-Diffusion.
Wie man sie erkennt: Veränderungen der Einschlüsse unter dem Mikroskop, Spektroskopie und chemische Analyse. Ein Laborzertifikat hält sie fest, zum Beispiel «keine Hinweise auf Erhitzung» oder eine «geringe» bis «deutliche» Reinheitsverbesserung.
Jede Behandlung muss beim Verkauf offengelegt werden. Wir verkaufen ausschliesslich natürliche, unbehandelte Edelsteine, von uns geprüft und von unabhängigen, international anerkannten Laboren zertifiziert.
Herkunft und Laborzertifikate
Bei Farbsteinen identifizieren führende Labore wie SSEF, Gübelin und GRS den Stein, erkennen Behandlungen und geben eine Einschätzung der geografischen Herkunft. Einige verwenden auch Handelsbezeichnungen wie «Taubenblut» für Rubine oder «Royal Blue» für Saphire, aber nur für Steine, die strenge Kriterien für Farbe und Sättigung erfüllen.
Ein Zertifikat bestätigt, was ein Stein ist. Einen Preis nennt es nie, und es sagt nicht, ob ein Stein schön ist: Dieses Urteil verlangt das geübte Auge von jemandem, der den Markt kennt.